Wohnung

maha

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Frage: Mehrstöckige Wohnung geeignet für ein Kind mit Rett-Syndrom, das getragen werden muss?
Hallo zusammen,
ich brauche bitte eure Erfahrungen und Einschätzungen.
Wir überlegen, in eine Wohnung zu ziehen, die so aufgebaut ist:
Erdgeschoss: Eingang, Küche, Gäste-WC mit Dusche, offener Wohnbereich
1. Obergeschoss: Empore
2. Obergeschoss (Dachgeschoss): Drei Zimmer und ein großes Bad
Meine Tochter hat Rett-Syndrom 6 j und sie wird komplett getragen – Treppen kann sie nicht allein gehen.
Darum habe ich folgende Fragen:
Ist eine Wohnung über mehrere Etagen geeignet, wenn das Kind wegen Rett-Syndrom getragen werden muss?
Besonders, weil ihr Zimmer und das große Bad ganz oben im Dachgeschoss wären.
Ich mache mir Sorgen wegen des täglichen Tragens über mehrere Stockwerke.
Wie macht ihr das zu Hause?
Habt ihr Erfahrung, ob es auf Dauer körperlich machbar ist, ein Rett-Kind ständig die Treppen rauf und runter zu tragen?
Gibt es Hilfsmittel, die von der AOK oder anderen Kassen übernommen werden (z. B. Treppenraupe, Lift)?
Und kann man diese bei Rett-Syndrom überhaupt sicher benutzen?
Vielen Dank für Ihre Zeit
 
Hallo "Maha",

beim Thema Wohnen spielen sehr viele Dinge eine Rolle! Du schreibst, dass Eure Tochter 6 Jahre alt ist und komplett getragen werden muss. Das heißt, dass sie nicht laufen kann. Noch könnt Ihr sie tragen, aber sie wird sicherlich mit dem Älterwerden schwerer und Ihr werdet auch älter. Die nächsten Jahre mag das Tragen noch funktionieren, aber irgendwann wird sie zu schwer. Allein das macht eine ebenerdige Wohnung für Eure Tochter sinnvoller.
Sicherlich gibt es Treppenlifte und Lifte, aber dies sind große Aufwendungen, die sich nur in einem Eigenheim lohnen. Beim Treppenlift wird es so sein, dass sie sicherlich einen speziell angepassten Sitz benötigt, auf dem sie gut und gesichert (evtl. durch Gurte) sitzen kann. Dann müsst Ihr immer zwei Stockwerke hoch und dauert beim Treppenlift sehr lange. Hinzukommt, dass Ihr Eure Tochter immer auf den Treppenliftersitz und vom Treppenliftersitz auf den Duschstuhl o.ä. im Dachgeschoss transferieren müsst. Ihr habt zwar ne Dusche unten im Gäste-WC, aber auch dort benötigt einen Duschstuhl o.ä. Wenn ihr also den Duschstuhl nicht ständig rauf und runter tragen wollt, benötigt Ihr hier zwei Stück.
Es gibt zwar auch Lifte, die müssen aber groß genug sein, damit dort ein Roll-/Therapiestuhl + eine Person hineinpasst. Wenn der Platz vorhanden und es finanziell möglich ist, spricht m.E. nichts dagegen.
Desweiteren gibt es noch Deckenliftersysteme, die auch über mehrere Stockwerke gehen können. Mit diesen großen Deckenliftersystemen habe ich aber keine Erfahrung. Man sollte sich auch überlegen, ob man das selber möchte, dass quasi die ganze Wohnung mit so einem Deckenliftersystem ausgestattet ist.

Inwieweit die Kassen das alles übernehmen, weiß ich nicht. Es gibt einen einmaligen Zuschuss der Pflegekasse von ca. 4000€ zum behindertengerechten Umbau der Wohnung. Dies wird aber bei weitem nicht den Bedarf von mehreren 10.000€ decken.

Wenn Ihr Euch wohnlich sowieso verändert wollt, ist hier die Frage, für wie lange. Wenn es auf Dauer sein soll, dann macht es durchaus Sinn, sich zu überlegen, wie Eure Tochter mit 18 weiterleben möchte. Soll sie in ein Wohnheim oder soll sie weiter bei Euch wohnen? Vielleicht doch eine eigene Wohnung oder eine WG mit mehreren Menschen mit Behinderung? Wie soll die Betreuung/Assistenz aussehen? Es gibt Familien, die haben eine Einliegerwohnung für Tochter, in der sie lebt. Das ist auch eine Möglichkeit. So seid Ihr immer in der Nähe. Es gibt viele Möglichkeiten...

Wohnen ist sehr komplexes Thema, bei dem man gar nicht früh genug anfangen kann, sich darüber Gedanken zu machen.

Viele Grüße
Ulli
 
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