Einführung UK mit Fotos

SabineK

Interessierter Benutzer
Hallo zusammen,
wir wollen bei Lenia mit UK beginnen und hatten dazu auch schon ein Gespräch mit der hiesigen Beratungsstelle. Diese hat uns empfohlen, erst einmal Fotos von wichtigen Gegenständen zu machen und diese als Karten zu nutzen. Wir haben mit Gummibärchen angefangen und das ging auch ganz gut. Ich muss dazu sagen, dass Lenia motorisch sehr fit ist und in der Lage ist, die Karte, die ich an unsere Küchentheke geklebt hatte, selbst abzumachen und mir zu bringen. Sie hat in dieser Zeit relativ viele Gummibärchen gegessen :happy09:
Ich habe das dann um Fruchtriegel und Fruchtquetsche erweitert und schon wird es unübersichtlich. Ich weiß nicht mehr, wann sie einfach nur aus Spaß die Karten abmacht oder wann sie wirklich etwas will. Die UK Beratung war mir da keine Hilfe. Ich hatte das Gefühl, dass sie nicht so wirklich wissen, was Lenia braucht.
Hat jemand von euch Erfahrungen mit Karten/Fotos? Wo bewahrt ihr die auf? Haben die Kinder freien Zugang dazu oder holt ihr sie nur zu bestimmten Gelegenheiten raus? Wie stelle ich dann von den Fotos auf die Metacom Symbole um? Und wie klappt das mit einem IPad? Daran hat Lenia so gar kein Interesse...
Liebe Grüße,
Sabine
 

Ulrich

Registrierter Benutzer
Hallo Sabine, wir machen gerade sehr ähnliche Erfahrungen mit unserer Martha wie Du mit Lenia. Sicher eine der schwierigen Fragen: Was sind jetzt die relevanten Bilder und wie werden diese angeboten und in die Kommunikation eingebunden? Im Moment sind wir noch in der Einführungsphase. An vielen Stellen im Haus (Bad/WC, Küche, Schlafzimmer) haben wir Karten (MetaCom) aufgehängt. Ebenso an vielen Stellen im Kindergarten. Die Karten hängen an Klett- oder Gummiklebern an Schränken oder Wandfliesen.
Wir versuchen, Handlungen mit den Karten zu begleiten. So etwa bei der Morgentoilette, wo wir zeigen, was als nächstes gemacht wird (Gesicht waschen, abtrocknen, Zähne putzen, eincremen, anziehen...). Ziel hier ist es, Martha mit den Karten vertraut zu machen, damit sie lernt, Kartensymbole als Mittel zur Kommunikation einzusetzen. Sozusagen als Vorbereitung für den Tobii, den wir jetzt beantragt haben.
Richtig kommunizieren mit Karten findet derzeit nur beim Essen statt (trinken, essen, fertig, Nachtisch, Toilette). Martha tatscht dann auf die entsprechende Karte, oder sie schaut sie an oder beugt sich über sie.
Problematisch im Moment bleibt das aktive Kommunizieren jenseits der Tisch-Situation. Selbst aktiv kommunizieren kann Martha so, wie die Karten in unserer Wohnung angeboten werden, nicht wirklich. Da sind wir auch noch dringend auf der Suche nach einer Lösung. Man müsste die Karten vermutlich so an der Wand anbringen, dass sich Martha vor die Karte stellen kann. Nach Karten greifen klappt leider nicht.
Grundsätzlich teile ich Deine Meinung zur UK-Beratung. Das Krankheitsbild ist in der Regel nicht wirklich bekannt. Wichtiger finde ich da AKUK. Da sind vorwiegend Rett-Eltern aktiv, die sehr kompetent und innovativ in diesem Thema sind. Meine Frau war hier bereits bei einem Workshop, und jetzt auf dem Rett-Kongress in Berlin ist der AKUK ebenso breit vertreten mit interessanten Angeboten.
Liebe Grüße, Ulrich
 

SabineK

Interessierter Benutzer
Hallo Ulrich,
danke für deine Antwort. Habt ihr denn bei Martha direkt mit den Metacom Symbolen angefangen? Und wurde geraten, erst einmal mit Fotos zu beginnen, damit sie einen Wiedererkennungswert haben. Ich stelle es mir aber schwierig vor, dann auf die Symbole zu wechseln...
Habt ihr alle Symbole auf einmal eingeführt oder habt ihr das nach und nach gemacht?
Liebe Grüße,
Sabine
 

Ulrich

Registrierter Benutzer
Hallo Sabine, wir haben tatsächlich mit einem Foto (Toilette) und zwei Symbolkarten (rot für nein, grün für ja, das waren aber keine Metacom-Karten) angefangen. Allerdings taten wir uns am Anfang schwer, selbst überhaupt einen Zugang zu der ganzen Angelegenheit zu finden. Wir hatten die Ampelkarten (rot/grün) beim Essen eingesetzt, um Martha eine Antwortmöglichkeit auf ja/nein-Fragen zu geben ("Möchtest Du noch was essen?"). Aber es hat sich schnell gezeigt, dass das der falsche Angang war, weil man ja so auch nicht isst. Man isst am Tisch ja nicht erst auf Nachfrage ("Möchtest Du jetzt was essen?), sondern man zeigt das eher pro-aktiv an, ob und was man essen/trinken möchte. Das funktionierte dann mit den MetaCom-Karten besser. Zur Zeit legen wir eben eine Karte für Essen, eine für Trinken an den Tisch. Martha kann durch Blicke oder Körperbewegung oder auch mal durch Tapsen zeigen, was sie möchte. Wir haben das dann irgendwann um die Karte "fertig/satt" erweitert, und die Toilettenkarte liegt ohnehin immer griffparat am Tisch. Eine weitere Erweiterung gab es dann mit der "Nachtischkarte". Und so in der Art weiten wir das Kartenangebot nach und nach aus. Ähnlich gehen wir im Bad und im Schlafzimmer vor.
Mit den von uns bisher eingesetzten Karten, gerade jene, mit denen man Bedürfnisse ausdrückt, haben wir bereits sehr gute Erfahrungen gemacht und so manche Situation / Kommunikationsschwierigkeit lösen können. Wir haben schon das Gefühl, dass Martha sehr bewusst die Karten wahrnimmt. Und vermutlich würde sie die Karten auch viel öfter und intensiver einsetzen, wenn wir, die Eltern, das ermöglichen würden. Hier erhoffen wir uns vom Tobii entsprechende Unterstützung und eine Ausweitung der Kommunikationsmöglichkeiten für Martha.
Grundsätzlich finde ich, dass Martha die MetaCom-Symbole sehr gut versteht. Viele sind nicht unbedingt selbsterklärend (ich mache regelmäßig den Versuch bei meinen Geschwistern u frage sie, was die Karten wohl bedeuten. Trefferquote: <60% würde ich schätzen) und müssen im Kontext vermittelt werden (etwa die "Fertig/Satt-Karte", die versteht man so nicht, das muss durch steten Einsatz im Kontext vermittelt werden). MetaCom sind auch die Karten, die bei uns in der Kita oder an den Grundschulen weitestgehend bekannt sind. Ebenso gibt es einige Tobii-Anwendungen mit MetaCom-Karten (u.a. vom AKUK entwickelt!). Meine Empfehlung wäre daher schon, so früh wie möglich mit MetaCom anzufangen.
Vom Gefühl her sind wir bei der Einführung weiterer Karten eher langsam. Ich denke, man kann das schneller machen. Ein Kind im Alter von 4 Jahren soll ja auch schon einen erheblichen Wortschatz haben. Aktuell nutzen wir aktiv vielleicht 20 Karten. Wir werden das jetzt aber ausbauen, um schnell auf die 100 zu kommen. Letztlich muss das eben auch von den Eltern (und idealerweise von den Erziehern) internalisiert werden. Das ist die wahre Hürde, die es im Moment zu nehmen gilt.

Liebe Grüße
Ulrich
 

Lotta_Locke

Active Member
Liebe Sabine,
aller Anfang ist schwer. So war das auch bei uns. Wir haben auch mit Fotos angefangen aber relativ schnell die entsprechende Metacomkarte daneben gelegt. Lotta war besonders beim Thema "Essen" eifrig dabei. Und ich war halt konsequent: Wenn sie ich nichts aussuchen wollte, gab es Gemüse.... du glaubst gar nicht wie motiviert Lotta plötzlich war, Wurst auszuwählen. ;-)
Da Lotta ihre Hände nicht zielgerichtet ansteuern kann, geht bei uns alles über Blickkontakt. Mittlerweile haben wir den Tobii mit Augensteuerung. Trotzdem arbeiten wir immer noch zusätzlich mit Metacomkärtchen. Im Alltag empfiehlt es sich, die Mädchenmöglichst oft mitbestimmen zu lassen, auch wenn man z.B. nur 2 T-Shirts zur Auswahl hinhält. Ich finde, dass bei Lotta dann überhaupt erst das Verständis geweckt wurde "Ach, meine Meinung ist gefragt, ich soll auswählen!" Das geht blitzschnell und immer mal zwischendurch: Apfel oder Birne, Wasser oder Saft, Buch 1 oder Buch 2, Kuschelbär oder Kuschelhund etc. Da braucht man gar keine Kärtchen.
Unsere Erfahrung ist: Plötzlich macht es klick! Ich darf auswählen!!! Ich soll auswählen!! Und dann haben wir wöchentlich immer neue Metacomsymbole eingeführt.
Ich habe dann zur Wortschatzerweiterung z.B. Bilderbücher mit den entsprechenden Metacomsymbolen beklebt etc.
 

vimara

Well-Known Member
Hallo Ronja,

probiere Lotta's Auswahl unter 3 verschiedenen Sachen auswählen zu lassen. Nur zwei ist halt immer 50/50 fifty/fifty. Eine echte Entscheidung wäre halt mit einem zusätzlichen Ding/Sache. Viel Erfolg weiterhin.

Liebe Grüße Anke
 

Lotta_Locke

Active Member
Liebe Anke,

da bin ich nicht ganz deiner Meinung. Auch eine Auswahl zwischen 2 Sachen ist "eine echte Entscheidung".

Lotta wählt unter viel mehr Dingen aus. Dies ist situationsgebunden. Bin ich mit ihr unterwegs zum Shoppen, kann ich ihr meist nu2 2-3 Blusen vorhalten zum Aussuchen (einfach weil ich nicht mehr Blusen gleichzeit halten und ihr zeigen kann...). Habe ich nur Äpfel und Birnen zu Hause, dann geht halt nur 50:50. Dann ist dann aber eine echte Entscheidung. Wenn ich Lotta frage, was sie spielen möchte (Würfelspiel), dann hat sie tatsächlich mittlerweile die Auswahl von 9 Spielen. Diese habe ich alle abfotografiert und laminiert. Als es nur 2 oder 3 Spiele waren habe ich ihr diese immer direkt auf den Tisch gelegt. Bei 9 Spielen wäre ich da ne halbe Stunde mit aus dem Schrank holen, hinstellen und wieder aufräumen beschäftigt.
Meine Antwort an Sabine mit den Auswahlmöglichkeiten war deswegen mit 50:50 -Auswahl gewählt, weil ich Sabine so verstanden habe, dass sie einen Einstieg braucht. Und um einem Kind den Einstieg in "das Aussuchen" zu ermöglichen bieten sich meiner Meinung 2 Sachen gut an. Wenn das Prinzip "Aussuchen begriffen wurde, kann man das Angebot selbstverständlich erweitern.

Und du darfst nicht vergessen, dass unsere Mädels immer noch die Möglichkeit haben "nichts" auszuwählen. Wenn ich Lotta Apfel oder Birne anbiete, weil ich nix anderes zu Hause habe, kann ich ihr keine Honigmelone herzaubern. Dann kann sie eben genau aus dem aussuchen, was da ist. Oder halt nichts essen.
 

vimara

Well-Known Member
Hi Ronja,

....freilich bei nur zwei Sachen die zur Verfügung stehen.....bleibt es auch bei nur zwei Auswahlmöglichkeiten.

Und Spiele, da gebe ich dir recht, dass die Foto-Variante eine gute Lösung gegenüber derer, alles raus zu holen, ist.

Dennoch - wenn mehr als zwei zur Verfügung stehen mind. 3 anzubieten finde ich persönlich gut.

Liebe Grüße Anke:124:
 

RomanaM

Well-Known Member
du kannst auch versuchen, unter den tollen Dingen etwas anzubieten, das sie sicher (gar) nicht mag,
wählt sie es - tjo .... Pech gehabt - kriegt sie es ...
bei Isabella war das lange Zeit die rohe Karrotte beim Essen zwischen anderen echt leckeren Dingen (2-3) - ich weiß nicht, wie oft sie mir diese Karotte um die Ohren gespuckt hat - aber "sorry - selbst ausgewählt - da musst du halt schauen, was du wählst ..." --> phöööse Mutter sein, hilft manchmal :)
bei Spielen war das lange Zeit ein Tupperdosen-Deckel ... nett - aber naja - nix gscheites damit anzufangen - hat sie bald kapiert ;)

durch konsequentes Ausführen deinerseits von dem von ihr-gewählten lernt sie - "aha - ich kriege das, was ich mir auswähle!". (das wär der zweite Schritt, der bei Euch nun offensichtlich angesagt ist)
aber wenn sie immer nur lauter tolle Sachen zur Verfügung hat, lernt sie "egal, was ich wähle, ich krieg was tolles" (das ist der wichtige erste Schritt am Anfang, aber den kann sie offensichtlich schon)
 

Monique

Member
Danke Romana! Die Idee kam mir noch nicht in den Sinn mit einer uninteressanten bzw. negativen Auswahlmöglichkeit. Das fange ich morgen gleich an. Ich habe meiner Eva noch nie eine rohe Möhre o.ä. angeboten, immer nur Gutes, ja man will sie eben glücklich sehen und verwöhnen....

Sabine und Ulrich, ich bin an derselben UK Stufe wie ihr. Ich war nun auf dem 2tägigen UK Seminar in Köln. Und dort wurde immer wieder betont, wie bei gesunden Kindern müssen die Wörter IMMER präsent sein, man redet ja auch ununterbrochen auf Baby s ein, Nicht nur beim essen , sondern bei jeder Tätigkeit. Wir haben in unserer Wohnung, Garten usw per Klett an allen täglichen Dingen das Symbol befestigt. Zur Zeit betone und berühre ich sie nur beiläufig, erkläre jegliche Tätigkeit und achte eigentlich nur auf ihren Blick. Mittlerweile bleibt sie an einigen stehen und betrachtet sie. ZB duscht sie gern und steht nun vor dem Symbol und selbstverständlich der Süßigkeiten Schrank.......
Unser Großer fand das mit den Symbolen überall total peinlich, aber seit gestern macht er es selbst, ein 15 j. pubertierender !!!! sieht die Veränderung seiner kleinen Schwester.....unglaublich schön. Er hat die letzten Monate immer weniger mit ihr geredet, dachte sich sie wird ja eh nie antworten. Er hat sich nun sogar die Seminarunterlagen durchgelesen und verstanden je mehr Menschen mit Eva so kommunizieren desto schneller lernt sie.

LG Monique
 
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